Flensburg gegen CETA: „Ihr müsst nicht immer nur reden, sondern auch mal was machen.“

Wir haben einen Infostand gegen CETA in Flensburg besucht. Vor Ort: Aktivist/innen vom Aktionsbündnis „Stoppt TTIP Flensburg“. So viel Engagement hat uns beeindruckt. Wir haben mit Sonja und Ekkehard vom lokalen Bündnis über ihr Engagement gesprochen.

Sonja: „Die Initialzündung kam aus der Familie“

Sonja Hinz gegen CETA

Wer bist Du?

Sonja: Mein Name ist Sonja. Ich bin 48 Jahre alt und wohne in Handewitt und arbeite selbständig in der medizinischen Fußpflege.

Warum politisches Engagement in einer Zeit der „Politikverdrossenheit“?

Sonja: Ich engagiere mich, weil die Politiker unsere Interessen nicht mehr kennen, wahrnehmen und schlussendlich nicht mehr vertreten.

Gab es eine Initialzündung für Dein Engagement gegen CETA und wenn ja was war das?

Sonja: Die Initialzündung kam aus der Familie. Wir reden Zuhause über Politik und unsere Kinder sagten: „Ihr müsst nicht immer nur reden, sondern auch mal was machen.“

Was müsste man bei Handelsabkommen anders machen?

Sonja: Handelsabkommen sollten nicht nur einige wenige Konzerne immer mächtiger machen, sondern zum Wohle aller getroffen werden. Es sollte nicht im Geheimen, an unseren Parlamenten vorbei verhandelt werden, sondern transparent.

Ekkehard: „Mehr Augenhöhe und Fairness bei Handelsabkommen“

Ekkehard Krüger gegen CETA

Wer bist Du?

Ekkehard: Ich heiße Ekkehard, bin 76 Jahre alt und wohne in Flensburg. Ich war Lehrer in unterschiedlichen Feldern der Jugend- und Erwachsenenbildung. Daneben engagiere ich mich bei zahlreichen kulturellen und politischen Projekten. Unter anderem bei „Offene Kirche für die Stadt – St. Nikolai-Flensburg“, der regionalen Nahverkehrsplanung und „Stoppt TTIP Flensburg“.

Warum politisches Engagement in einer Zeit der „Politikverdrossenheit“?

Ekkehard: Da ich mein Leben lang, unabhängig vom Broterwerb, immer in politisch-gesellschaftlichen Projekten aktiv war, ist der Protest gegen CETA nichts Neues für mich. Ich war nie und bin nicht „verdrossen“, glaube aber, dass wir unseren „Berufspolitikern“ und Wirtschaftslenkern genau auf die Finger gucken müssen.

Gab es eine Initialzündung für Dein Engagement gegen CETA und wenn ja was war das?

Ekkehard: Der Protest gegen TTIP und CETA war keine „Initialzündung“ für mein politisches Engagement. Für mich ist es jetzt eine Initialzündung, damit wir uns um die zahlreichen vergleichbaren Verträge Deutschlands mit Schwellen- und Entwicklungsländern kümmern, um langfristig zu ausgewogenen fairen Handelsbeziehungen zu kommen.

Was müsste man bei Handelsabkommen anders machen?

Ekkehard: Fairer Handel betrifft nicht nur Lebensmittelimporte, sondern ganz bestimmt auch Rohstoffausbeutung und Industrie-Auslagerung. Außerdem stören mich die Sonder- und Schiedsgerichtsbarkeit für Investoren. Wir, die Stärkeren, müssen für mehr „Augenhöhe“ und Fairness bei Handelsabkommen mit Schwellen- und Entwicklungsländern sorgen!

Wenn du der Landesregierung etwas mitteilen könntest, was wäre das?

Ekkehard: Nach zehn Jahren aktiver Mitarbeit im Landesseniorenrat und im Altenparlament möchte ich den Ministern und Politikern ins Stammbuch schreiben: „Setzt Euch bitte konsequenter und entscheidungsfreudiger gegenüber der Ministerialbürokratie durch!“